Häufige Behandlungsfehler

Hier berichten wir über die häufigsten Behandlungsfehler aus unserer Medizinrechtspraxis, geordnet nach 15 Körperbereichen.
Wir erklären auch, was dabei ein typischer Fehler ist – und wie er oft vermieden werden kann.

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Arm

1. Unterarmfraktur
Der handnahe Bruch der Speiche (sogenannte distale Radiusfraktur) ist der häufigste Bruch im Erwachsenenalter.
Er macht bis zu 25 Prozent aller Knochenbrüche aus.
Der Bruch lässt sich eindeutig über eine Röntgenuntersuchung diagnostizieren.
Es müssen aber stets mindestens zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen angefertigt werden, um den Bruch hinsichtlich der Fehlstellung, der Anzahl der Fragmente und einer möglichen Gelenkbeteiligung sicher einordnen zu können.
Weitere Untersuchungen wie Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) sind oft notwendig.

2. Oberarmfraktur
Als Oberarmbruch (Humerus-Fraktur) bezeichnet man eine Fraktur des Oberarmknochens.
Häufig ist dabei die Region um den Oberarmkopf betroffen. Bei einem unkomplizierten Oberarmbruch lässt sich eine Operation in vielen Fällen vermeiden, in denen die Bruchstücke nicht gegeneinander verschoben sind.
Kinder, die unter einer geburtstraumatischen Fraktur des Oberarms leiden, nehmen häufig eine Schonhaltung ein.
Diese wird gelegentlich als Plexusparese (Lähmung) fehlgedeutet. Überprüfen lässt sich dies durch einen Bewegungstest.

3. Luxation
Verrenkung und Auskugeln bedeuten einen vollständigen oder unvollständigen (Subluxation) Kontaktverlust gelenkbildender Knochenenden. Als luxierter Knochen wird immer der körperfernere Knochen bezeichnet.
Eine Luxation stellt grundsätzlich eine schwere Schädigung eines Gelenkes dar.
Beweisend sind Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen, wobei seltene Formen (wie die hintere Schulterluxation) und kindliche Luxationen auch dabei schwer zu erkennen sind.
Dann helfen Computertomografie (CT), Kernspintomografie (MRT) oder Arthrografie (besondere Röntgentechnik mit Einbringen eines Kontrastmittels in das Gelenk).
Bei Kindern sind Luxationen im Ultraschall gut darstellbar.
Bei der traumatischen Luxation ist eine umgehende Reposition (Einrenkung) erforderlich.
Diese sollte immer schonend und nicht brüsk oder mit großer Kraft erfolgen, da ansonsten die Gefahr von Nerven- und Gefäßschäden sowie Verletzungen des Gelenkes resultieren können.

4. Plexusparese
Periphere Lähmungen (Paresen) einzelner Gliedmaßen bzw. Gliedmaßenabschnitte, die durch die Schädigung eines Nervengeflechts (Plexus) bedingt sind.
Bei der kindlichen Plexusparese, auch geburtstraumatische oder infantile Armlähmung handelt es sich um eine Verletzung des Armnervengeflechtes (Plexus brachialis) unter der Geburt.
Sie führt zu einer Störung der Armbewegung und -sensibilität. Je nach Anzahl der beteiligten Nervenwurzeln und der Schwere der Schädigung ist die Ausprägung der Lähmung umfangreich und langanhaltend.
Bei schweren Verletzungen kommt es zu einer dauerhaften Einschränkung der Beweglichkeit des Armes, zu bleibenden Gefühlsstörungen, zu einem veränderten Wachstum der Extremität und zu einer eingeschränkten Gebrauchsfähigkeit.

Auge

1. LASIK
Der „Laser-in-situ-Keratomileusis“ (LASIK) korrigiert optische Fehlsichtigkeiten.
Er kann unter Abwägung der Vor- und Nachteile sowie der bestehenden Risiken eine Alternative zu Brille oder Kontaktlinse darstellen.
Der Eingriff ist die derzeit verbreitetste Methode innerhalb der refraktiven Chirurgie.
Ein ernstes Risiko besteht in der strukturellen Schwächung der Hornhaut nach dem Gewebsabtrag.
Diese Schwächung und der ständig auf die Hornhaut einwirkende Augeninnendruck können zu einer Vorwölbung der Hornhaut führen (Keratektasie).
Das Risiko dafür steigt mit abnehmender Restdicke der Hornhaut nach der Behandlung.
Als Mindestwert für die Restdicke gelten 250 µm.

2. Grauer Star
Als grauer Star (siehe auch Kataraktoperation) werden Linsentrübungen bezeichnet, die das Sehen beeinträchtigen.
Die trübe Linse wird operativ durch eine Kunstlinse (Intraokularlinse = IOL) ersetzt.
600.000 operierte Augen pro Jahr – einer der häufigsten Eingriffe in Deutschland.
Häufigster Behandlungsfehler: Schäden an der Hinterkapsel der Augenlinse mit möglicher Dauer-Beeinträchtigung.
300 OPs unter Aufsicht fordert der Deutsche Augenarztverband, bevor ein Operateur eigenverantwortlich einen Grauen Star operieren darf.
Infektionen des Auges beispielsweise kommen vor. Es sind Blutungen möglich, die Linsenkapsel kann einreißen, der Glaskörper vorfallen und die Netzhaut quasi mitziehen, sodass sie sich ablöst.

3. Grüner Star
Das Glaukom bezeichnet eine Reihe von Augenerkrankungen, die einen Verlust von Nervenfasern zur Folge haben.
Werden glaukomtypische Schäden am Sehnerv festgestellt, muss eine dauerhafte Augendrucksenkung erfolgen. Dadurch wird eine Schädigung des Sehnervs wegen chronischer Überschreitung eines kritischen Augeninnendrucks verhindert. Der wird durch engmaschige Kontrollen individuell bestimmt.
Eine ordnungsgemäße Sicherungsaufklärung des Arztes muss voraus gehen.

4. Endophtalmitis
Diese sehr ernste Infektion im Auge kann zur Erblindung oder sogar zum Verlust des gesamten Auges nach sich ziehen. Sie ist immer ein absoluter Notfall und muß innerhalb von drei Stunden (!) operiert werden.
Sonst liegt ein grober Behandlungsfehler vor.

5. Augen-Fehlstellung
Fehlentwicklungen der Sehfunktion eines oder beider Augen bei Säuglingen und Kleinkindern müssen so früh wie möglich erkannt und behandelt werden.
Ansonsten besteht die Gefahr einer einseitigen oder auch beidäugigen Sehschwäche mit oder auch ohne äusserlich erkennbarer Schielstellung beider Augen des Kindes.
Jedes Schielen eines Kindes ab einem Alter von 3-4 Monaten ist ein Symptom für verschiedene ernst zu nehmende Augenkrankheiten und ein Leitsymptom für das gefährliche Retinoblastom.
Es ist ein grober Behandlungsfehler, dieses nicht zunächst auszuschließen.

6. Augenoperationen
Sie kommen in vielerlei Gestalt vor, z.B. Kataraktoperation, Glaukom-Operation, Hornhaut-Operation, Glaskörper- und Netzhaut-Operation, Refraktive Chirurgie, Augenlid-Operation, Tränenwegs-Operation oder Augenmuskeloperation.
Fehler bei Augenoperationen bedeuten eine starke Beeinträchtigung im Alltag!

7. Netzhauterkrankungen
Sie werden oft verwechselt, verharmlost und zu spät erkannt.
Sehstörungen können auf diabetische Neuropathie ebenso deuten wie auf eine diabetische Retinopathie (Netzhauterkrankung mit Netzhautblutungen, Netzhautödem mit Sehschärfeverlust und Gefäßneubildungen auf und vor der Netzhaut).
Eine mit Diabetes zusammen hängende Retinopathie muss sofort mit Laserflächenkoagulationen und Retinokryokoagulationen (zur Blutungsstillung) behandelt werden: Die Verbindung von Diabetes zu Netzhauterkrankungen bzw. zu diabetischer Retinopathie kann zu Sehschwäche und Erblindung führen.
Bei Schielen eines Kindes ab einem Alter von 3-4 Monaten muss der Kinderarzt sofort ein Retinoblastom, also den bösartigen Netzhauttumor, ausschließen.
„Abwarten“ ist hier wie dort als grober Behandlungsfehler anerkannt.

Bauch

1. Blinddarmentzündung
Diese bekannte Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms wird von Ärzten oft unterschätzt. Für die korrekte Diagnose sind unerlässlich die Anamnese, die Laboruntersuchung (Leukozyten, CRP), der Ultraschall und bei untersuchungstechnischen Schwierigkeiten das CT.
Bei bis zu 28 % der Patienten wird bei der Operation eine Perforation der Appendix festgestellt, die mit einer Sterblichkeit von ca. 10 % einhergeht, beim Auftreten einer Peritonitis bis zu 30 %).
Dabei sollte möglichst früh (innerhalb von etwa 48 Stunden) operiert werden.

2. Divertikulitis
Diese Erkrankung des Dickdarmes äußert sich in Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel), die eine Entzündung bilden.
Die Krankheit ist u.U. akut behandlungsbedürftig.
Schnelle Diagnose und sofortige Therapie sind lebenswichtig.

3. Peritonitis
Die Entzündung des Bauchfells (Peritoneum) ist verursacht durch eine perforierte Appendizitis, eine Divertikulitis, einen unbehandelten Darmverschluss sowie durch perforierende Darmverletzungen infolge von Operationen.
Die Therapie der akuten Peritonitis ist immer operativ.
Der Zeitpunkt der Operation wird so früh wie irgend möglich angesetzt, da das Krankheitsbild meist einen foudroyanten (blitzartigen) Verlauf nimmt.
Häufig ist der Arztfehler in der fehlenden vollständigen Risiko-Aufklärung begründet; dann ist der Eingriff rechtswidrig. In dem Fall muss der Arzt beweisen, dass er aufgeklärt hat.

4. Gallenstein
Gallensteine (= Cholelithiasis) sind häufig und verursachen oft keine Beschwerden.
Wenn Gallensteine sich einklemmen und den Abfluss der Galle behindern, kann es allerdings zu heftigen Koliken und Entzündungen (Cholezystitis) kommen.
Mit Gallensteinen verwandt ist der Gallengries.
Cholangiografie bezeichnet die röntgenologische Darstellung der Gallengänge unter Verwendung eines röntgendichten Kontrastmittels.
Damit können Verletzugen des Duktus zystikus verhindert werden. Bei unklarer anatomischer Situation während einer Gallenblasenentfernung – z.B. Verwachsungen – kann die ausbleibende Cholangiofrafie zur intraoperativen röntgendiagnostischen Abklärung der Gallenwege einen Behandlungsfehler mit der Folge einer Läsion des Gallenweges darstellen.

5. Gallenblasenentfernung
Die häufigste Indikation der „Cholezystektomie“ ist ein Gallensteinleiden – nämlich dann, wenn ein Stein in die Gallengänge hineinwandert und dort steckenbleibt.
Ganz ohne Operation kommt es bei bis zu 30 Prozent der Betroffenen im Verlauf zu Komplikationen der Cholezystitis mit der Folge einer Cholezystektomie.

6. Gallenblasenkarzinom
Der Gallenblasenkrebs ist ein seltener aber sehr bösartiger Tumor mit einer schlechten Prognose. Dabei werden zwei verschiedene Tumorarten unterschieden. Das Plattenepithelkarzinom, welches besonders bösartig ist und das Adenokarzinom, welches häufiger vorkommt.
Chemotherapie: Die Gallenblasentumoren sind leider oft wenig sensibel gegenüber Zytostatika.
Die Strahlentherapie ist bei dieser Karzinomform generell wirksam.

7. Adenom
Diese gutartige Geschwulst aus Schleimhaut oder Drüsengewebe kann generell jedes Organ betreffen und wird z.B. mittels Koloskopie entfernt.
Eine Darmperforation ist dabei eine Komplikation der Kolos­kopie. Fehlt es an einer sachgerechten Nachbetreuung, ist das ein Behandlungsfehler.

8. Anastomoseninsuffizienz
Der Übertritt von Inhalt des Magen-Darm-Traktes in die freie Bauchhöhle führt, wenn nicht umgehend erkannt und behoben, zur lebensbedrohlichen Peritonitis. In weniger dramatischen Fällen entwickelt sich lokal ein Abszess („gedeckte“ Anastomoseninsuffizienz) oder eine Fistel im Verlauf einer zuvor vorhandenen Drainage.
Anastomoseninsuffizienzen in der Gefäßchirurgie führen zu mitunter lebensbedrohlichen Nachblutungen, gelegentlich auch einem Aneurysma.
Es handelt sich fast immer um einen Notfall, der eine rasche OP verlangt.
Geschieht dies zu spät, liegt oft ein grober Behandlungsfehler vor.

9. Verwachsungen
Adhäsionen dürften als Komplikation kaum zu übersehen sein, denn sie treten immerhin nach 75% aller Operationen im Bauchraum auf.
Trotz ihrer Bedeutung werden die gesundheitlichen Folgen der Verwachsungen von Gewebestrukturen aber häufig von Chirurgen und Gynäkologen unterschätzt.

10. Bauchspeicheldrüse
Pankreas) ist ein Drüsenorgan im Bauch. Die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) verursacht starke Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Fieber.
Die häufigste Ursache für eine akute Pankreatitis beim Menschen sind Gallensteine, für eine chronische ist es der Alkoholmissbrauch.

11. Bauchspeicheldrüsenkrebs
Pankreastumoren sind meistens bösartige Adenokarzinome (duktale Adenokarzinome), die wegen ihrer hohen Sterblichkeitsrate gefürchtet sind.
= Pankreastumor.
Ein erhöhter Alpha-Amylase-Spiegel im Blut muss immer geklärt werden; er könnte ein Pankreaskarzinom indizieren.
Weiter sind Ultraschalluntersuchungen des Abdomens sowie bei Zweifel weitere bildgebende Verfahren MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie), CT, Endosonographie oder ERCP indiziert.

12. Darmperforation
Der Darmdurchbruch ist eine schwere Erkrankung, bei der die Darmwand ein Loch aufweist. Tritt Darminhalt in die Bauchhöhle, kann dies zu lebensgefährlicher Peritonitis führen.
Besonders häufig führt eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Entzündung des Darms zu einem Darmdurchbruch, z.B. eine Appendizitis.
Ein Darmdurchbruch muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

13. Double – Bubble – Phänomen
Zwei Blasen in Magen und Darm eines Neugeborenen sind bei Ultraschalluntersuchungen (vorgeburtlich im Rahmen von Pränataldiagnostik) erkennbar. Sie indizieren das sogenannte „Double-bubble-Phänomen“ und eine Duodenalatresie:
Der Magen des ungeborenen Kindes ist mit Flüssigkeit gefüllt (erste Blase / „Bubble“) und auch das Duodenum (Zwölffingerdarm) weist Flüssigkeit auf (zweite Blase / „Bubble“).
Malrotation, ein adrenogenitales Syndrom, eine Darmatresie sowie eine Pylorusstenose müssen untersucht werden!

14. Magenschleimhautentzündung
Die Gastritis ist eine entzündliche Erkrankung der Schleimhaut des Magens.
Unbehandelt können folgende Komplikationen auftreten:
Anämie (Blutarmut), Magenkarzinom, Magenblutungen und Geschwüre.

15. Hernie
Dieser Bruch bezeichnet den Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine angeborene oder erworbene Lücke in den tragenden Bauchwandschichten.
Die Anstauung von Darminhalt in den ausgetretenen Darmschlingen bewirkt eine Einklemmung mit Darmwandschädigung. Noch gefürchteter aber ist hierbei das Abklemmen der Blutversorgung der Darmschlingen, Inkarzeration genannt.
Diese Komplikationen bedürfen einer operativen Therapie innerhalb von sechs Stunden.
Neben der zu späten Therapie ein häufiger Arztfehler: zu großes Operationsfeld, und das Nichtanhebend oder Nicht-Verwenden eines OP- Netzes.
Eine Operation mittels Bauchspiegelung, Laparoskopie, hat sich etabliert.

16. Karzinom
Diese Krebserkrankung geht von Zellen im Deckgewebe von Haut oder Schleimhaut (Epithel) aus.
Karzinome machen circa 80 % aller bösartigen Tumore aus. Deren Stadium beschreibt man mit der sog. TNM-Klassifikation.
Zur Therapie kommen operative Entfernung, Strahlen- und Chemotherapie, in sehr frühen Stadien auch oberflächliche Abtragungen in Frage.
Beispiele sind das Analkarzinom, Bronchialkarzinom, Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhaut; auch als Korpuskarzinom bezeichnet), Gallenblasenkarzinom, Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom (HCC)), Hodenkrebs (Hodenkarzinom), Kolorektales Karzinom, Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom), Speiseröhrenkrebs, Magenkarzinom, Brustkrebs (Mammakarzinom), Nierenkrebs (Nierenkarzinom), Ovarialkarzinom, Pankreastumor, Pharynxkarzinom, Prostatakrebs, (Prostatakarzinom), Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom), Uteruskarzinom oder Zervixkarzinom.

17. Lungenkarzinom
Unterlassene Befunderhebung eines Lungenrebses ist der häufigste Behandlungsfehler.
Auf Röntgenaufnahmen, z.B. in Vorbereitung einer Magen- Operation, sind Lungenkarzinome häufig erkennbar.
Ein solcher „Zufallsbefund“ muss erkundet und geklärt werden.
Der Anästhesist verletzt seine Pflicht, wenn er diesem Befund nicht nachgeht, auch dann, wenn dieser Befund mit der Narkose oder dem originären OP-Ziel nicht in Verbindung steht.

18. Nierenstein
Diese kristallinen Ablagerungen des Nierenbeckenkelchssystems werden mit dem Eintritt in den Harnleiter zu Harnleitersteinen und können eine Kolik auslösen.
Die Diagnose gelingt durch Ultraschall.
Bei der Extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie wird versucht, mit Hilfe von gebündelten Schallwellen den Stein so weit zu zerkleinern, dass er entweder natürlich oder operativ entfernt werden kann.
Häufigster Behandlungsfehler: Nierensteine werden übersehen mit der Folge schwerer Sepsis und Harnstau.

19. Morbus Crohn
Diese chronisch-entzündliche Darmerkrankung kann im gesamten Verdauungstrakt auftreten.
Bevorzugt befallen sind der untere Dünndarm (Ileum) und der Dickdarm (Colon).
Komplikationen sind: Mechanischer Ileus (Darmverschluss), Fistel, Abszess, Blutungen, Karzinom, Osteoporose, Gallensteine (durch den gestörten Leber-Darm-Kreislauf) und Urolithiasis (Harnsteinleiden)
Diagnostik: Ultraschall-Untersuchung des Bauches, Labor (BSG und CRP), Röntgenuntersuchung oder Magnetresonanztomografie mit Kontrastmittel und Biopsie.

Bein

1. Achillessehne
Viele Achillessehnenverletzungen sind keine Indikation zur Operation.

2. Femurfraktur
Der Bruch des Oberschenkelknochens, des größten Knochen des Oberschenkels, kann als Quer-, Schräg-, Spiral- oder Trümmerfraktur geschehen. Dieser Bruch führt zu großen Blutverlusten bis zu drei Litern.
Anders als beim Oberschenkelhalsbruch bestehen hier die Gefahren eines Blutverlusts-Schocks (hypovolämischer Schock), einer Fettembolie (fettreiches Knochenmark gelangt ins Blut), einer Thrombose bzw. einer Lungenembolie sowie – nachoperativ – einer Achs- und Rotationsfehlstellung.

3. Thrombose
Bei dieser Gefäßerkrankung bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß. Thrombosen können in allen Gefäßen auftreten. Meistens handelt es sich um eine Thrombose der Venen (Venenthrombose oder Phlebothrombose), speziell eine Thrombose der tiefen Beinvenen (Tiefe Venenthrombose – TVT).
Die wichtigste Komplikation der frischen tiefen Beinvenenthrombose ist die Lungenembolie, die unter Umständen tödlich verlaufen kann.
Wegen der Gefahr der Lungenembolie muss jeder Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose umgehend abgeklärt werden.

4. Oberschenkelhalsbruch
Diese häufige Verletzung bei älteren Menschen, besonders Frauen, birgt einige Gefahren: ohne, während und auch nach Operationen.
Selbst wenn die Operation gelingt, sind die Patienten oft lange noch bettlägerig. Aus der Bettlägerigkeit können sich Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung, Durchliegen, Venenthrombose, Harnwegsinfekte sowie eine bleibenden Fehlstellung mit insgesamt hoher Sterblichkeit ergeben.
Anders als bei der Femurschaftfraktur (= Bruch des Oberschenkelknochens) sind Arztfehler hier sogenannte Falschgelenke (Pseudarthrose), Risse während der Operation sowie verrutschte (luxierte) oder (frühzeitig) gelockerte Prothesen.

5. Krampfadern
Die Verödung von Krampfadern ist eine häufig durchgeführte, effiziente und erfolgreiche Behandlung der Varikosis.
Risiken entstehen bei zu hoher Dosis des Verödungsmittels und bei dessen Verabreichung an Patienten mit früherer Thromboembolie oder mit erhöhter Gerinnbarkeit des Blutes.
Selten sind lebensbedrohliche Folgen zu beobachten wie Lungenembolie oder Schlaganfall. Auch die Injektion in eine Arterie ist ein eher seltener grober Behandlungsfehler.

Blut

1. Angiom
Der Blutschwamm oder das Aneurysma spongiosum ist eine tumorartige Gefäßneubildung oder entwicklungsbedingte Gefäßfehlbildung.
Ergibt ein CT einen Verdacht auf z.B. ein arteriovenöses Angiom, muß sofort ein Angio-MRT gemacht werden.
Sonst liegt ein grober Behandlungsfehler vor (OLG Köln, 5 U 234/98).

2. Arterielle Verschlusskrankheit
Sie entsteht durch Einengung (Stenose) oder Verschluss (Okklusion) der die Extremitäten versorgenden Arterien oder seltener der Hauptschlagader (Aorta).
Hauptursache ist die Arteriosklerose, die so genannte „Arterienverkalkung“.
Ziele der Behandlung müssen sein: Verhütung von Herzinfarkt, Schlaganfall und plötzlicher Herztod sowie von Amputation (Raucherbein).

3. Arteriosklerose
Das ist eine Systemerkrankung der Schlagadern (Arterien), die zu Ablagerungen von Blutfetten, Thromben, Bindegewebe und in geringeren Mengen auch Kalk in (und nicht etwa an) den Gefäßwänden führt.
Die notwendige teure Diagnostik wird aus Kostengründen nicht immer durchgeführt.

4. Blut im Stuhl
Das kann sehr verschiedene Ursachen haben. Oft sind Hämorrhoiden der Auslöser, jedoch können auch schwerwiegende Erkrankungen einen blutigen Stuhl verursachen.
Dann muß der Arzt weitere Diagnostik veranlassen.
Alles andere ist ein grober Behandlungsfehler.

5. Arterielle Hypertonie
Der Blutdruck im arteriellen Gefäßsystems ist chronisch erhöht. Nach Definition der WHO gilt ein systolischer Blutdruck von mehr als 140 mmHg und/oder ein diastolischer Blutdruck von mehr als 90 mmHg als Hypertonie.
Bluthochdruck muß behandelt werden.
Zur Diagnose sind Anamnese und körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung, Laborwerte und Urindiagnostik sowie EKG-Elektronkardiogramm sind notwendig.
Mittel der ersten Wahl zur medikamentösen Therapie sind ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, Betablocker, Diuretika und Calciumantagonisten.

6. Kompartementsyndrom
Diese Durchblutungsstörung nach Knochenbrüchen und Muskelquetschungen tritt besonders am Unterarm oder Unterschenkel, aber auch nach langen OPS in der Gynäkologie, Urologie und Viszeralchirurgie auf.
Sie entsteht durch erhöhten Gewebedruck. Neuromuskuläre Störungen oder Gewebe- und Organschädigungen resultieren daraus.
Das abdominelles Kompartmentsyndrom entsteht nach einer Ruptur der Aorta.
Eine Operation in ein Kompartmentsyndrom hinein ist ein Behandlungsfehler, der im schlimmsten Fall zu einem CRPS führt.

7. Blutkrebs
Langwierige Behandlung auf Basis der „multizentrischen Therapiestudie der ALL (= akute lymphatische Leukämie)“, darunter Chemotherapie, ist in der Regel indiziert, mit starken Nebenwirkungen.
Ein junger Patient mit Verbesserungsprognose hat Anspruch auf eine familiär-allogene Blutstammzelltransplantation als Sachleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Häufigste Behandlungsfehler: Zu spät eingeleitet, Medikamente verwechselt, Diagnose durch Hämatologie nicht eindeutig.

8. Venenentzündung
Als Phlebitis wird die Entzündung eines venösen Gefäßes bezeichnet.
Da eine Phlebitis häufig eine Thrombose als Komplikation nach sich zieht, muss bei Symptomen sofort ein Arzt zu Rate gezogen werden.

9. Thrombose
= Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet.
Thrombosen können in allen Gefäßen auftreten. Meistens handelt es sich um eine Thrombose der Venen (Venenthrombose oder Phlebothrombose), speziell eine Thrombose der tiefen Beinvenen (Tiefe Venenthrombose – TVT).
Die wichtigste Komplikation der frischen tiefen Beinvenenthrombose ist die Lungenembolie, die unter Umständen tödlich verlaufen kann.
Wegen der Gefahr der Lungenembolie muss jeder Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose umgehend abgeklärt werden.

10. Venenkatheter
Ein Katheter wird in eine größere Körpervene eingeführt zur intravenösen Medikamenten- und Infusionsgabe sowie um den Venendruck zu messen.
Typische Behandlungsfehler (Der Katheter liegt im falschen Gefäß, die Lage des Katheters wird nicht durch Röntgen-Thorax kontrolliert) führen zu diversen Komplikationen:
Blutungen und Hämatome, arterielle Fehlpunktion, Infektion, Luftembolie, Nervenverletzungen, Thrombose , Hämatothorax, Infusionsthorax, Chylothorax, Pneumothoraxund Herzrhythmusstörungen.

Fuß

1. Hallux valgus
Der Hallux valgus ist die häufigste Zehenfehlstellung. Sie ist charakterisiert durch eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen und einer Drehung der Zehe nach innen.
Eine schmerzhafte Arthrose und später Hallux rigidus können Folgen sein.
Die Operation nach „Keller-Brandes“ darf nur bei älteren Patienten mit hochgradiger Großzehenfehlstellung, fortgeschrittener Arthrose im Zehengrundgelenk und geringeren Belastungsansprüchen des Vorfußes im Alltag Anwendung finden.

2. Achillessehne
Häufig sind Achillessehnen-Operationen nicht indiziert, weil eine konservative Behandlung oft das gleiche Ergebnis bringt.
Hier ist besonders sorgfältige Aufklärung erforderlich.

3. Sprunggelenkfraktur
Bei Knochenbrüchen im Bereich des oberen Sprunggelenkes kommt eine konservative Therapie mit Unterschenkelgips bei äußerst seltenen, nicht dislozierten Frakturen und bei absoluten Kontra-Indikationen gegen eine Operation in Frage.
Zur Beurteilung der Dislokation dient unter anderem das Volkmann-Dreieck (hintere Tibiakante).

4. Fußbruch
Bruch des Außenknöchels und Fraktur des Fersenbeins sind häufige Verletzung bei Sportlern.
Bänder des Sprunggelenkes sind i.d.R. in Mitleidenschaft gezogen. Die Außenknöchelfraktur wird durch das Umknicken des Fußes verursacht.
Häufig kommt es zu starken Weichteil- oder Nervenschädigungen.
Eine konservative Behandlung, also eine Behandlung ohne operativen Eingriff, ist nur zu empfehlen, wenn die Anatomie des Fußes nicht beeinträchtigt bzw. verändert ist.

5. Sprunggelenkfraktur
Der  Bruch des oberen Sprunggelenks (volkstümlich „Umknicken“) heißt auch Verrenkungsbruch oder „Luxationsfraktur“. Der Sprunggelenkbruch entsteht durch Sport- oder Sprungunfälle oder auch durch Drehen des Unterschenkels gegen den feststehenden Fuß.
Eine konservative Therapie mit Unterschenkelgips kommt nur bei äußerst seltenen, nicht dislozierten Frakturen und bei absoluten Kontra-Indikationen gegen eine Operation in Frage.
Zur Beurteilung der Dislokation dient unter anderem das Volkmann-Dreieck (hintere Tibiakante).

Gynäkologie

1. Brustkrebs
Mammakarzinom nicht erkannt – Das ist gemäß der Gutachterkommission der Bundesärztekammer 2006 der häufigste Arztfehler beim Krankheitsbild (Brustkrebs).
Dabei sind bildgebende Verfahren und ihre Interpretation im Rahmen einer Diagnosestellung die häufigsten Fehlerquellen.

2. Schwangerschaft
Erkennt ein Arzt eine Schwangerschaft nicht, können betroffene Frauen ihn in der Regel nicht dafür haftbar machen.
So steht ihnen nicht unbedingt Schmerzensgeld zu, wenn wegen des Arztfehlers keine Abtreibung mehr möglich ist (OLG Oldenburg 2015).
Auch das Fehlen einer Blut- und Urinuntersuchung führt u.U. nur bei Vorliegen von medizinischen oder kriminologischen Gründen zu einem Schadenersatzanspruch.

3. Abstrich
Ein Abstrich ist die Entnahme von körpereigenem Untersuchungsmaterial aus der Oberfläche von Wunden oder Schleimhäuten. Er zählt häufig zur unverzichtbaren Diagnostik.

4. Ausschabung
Die Ausschabung der Gebärmutter und damit die Entfernung der Gebärmutterschleimhaut ist der von Frauenärzten am häufigsten durchgeführte Routineeingriff.
Sie wird entweder zur Diagnostik z.B. bei Blutungsstörungen oder auch zur Therapie z.B. bei verstärkten oder verlängerten Regelblutungen vorgenommen.
Komplikationen sind Verletzungen der Gebärmutter, eine Thrombose oder eine Infektion.

5. Beckenendlage
Die Beckenendlage ist eine gefürchtete Komplikation bei der Geburt, bei der nicht der Kopf, sondern das Beckenende des ungeborenen Kindes vorangeht. Dabei liegt das Kind liegt im Mutterleib mit dem Kopf nach oben. Hier gibt es immer viel Arbeit für den Fachanwalt für Medizinrecht.
Hierbei wird durch den erfahrenen Geburtshelfer der Fetus durch Druck von außen aus der Beckenendlage in die Schädellage gedreht; dieses Vorgehen hat aber Risiken, wie z.B. (Nabelschnurkomplikation, vorzeitige Plazentalösung, fetomaternale Transfusion, vaginale Blutungen, intrauteriner Fruchttod.

6. Eileiterschwangerschaft
Die „Tubargravidität“ ist die häufigste Form einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität). Der befruchteten Eizelle gelingt es hierbei nicht, den Eileiter zu durchwandern. Sie nistet sich stattdessen in der Schleimhaut des Eileiters ein.
Nicht rechtzeitig erkannt, wird die Eileiterschwangerschaft in vielen Fällen lebensbedrohlich für die Schwangere, da der Eileiter wenig dehnbar ist und irgendwann reißt.
Dies hat umfangreiche innere Blutungen im Bauch der Mutter zur Folge und kann zu Kreislaufversagen und zum Schock führen.

7. Cerclagepessar
Um eine Frühgeburt zu verhindern, wird dieses Pessar in die Scheide eingesetzt.
Dazu muss ein Scheidenabstrich vorgenommen werden, um auf vorhandene Keime zu untersuchen.
Geschieht das nicht, riskiert der Arzt eine Schwerstbehinderung des Kindes und kann die Frühgeburt durch Keime auslösen.

8. Endometriose
Das ist eine gutartige, schmerzhafte und chronische Frauen-Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt.
Sie kann zur Unfruchtbarkeit führen.
Durch die manuelle Untersuchung des Beckens können größere Endometrioseherde aufgedeckt werden. Durch Koloskopie lassen sich Herde an der Vulva, in der Scheide und am äußeren Muttermund betrachten.
Durch eine transvaginale Ultraschalluntersuchung können große Endometrioseherde entdeckt werden. Zur Klärung der Ausdehnung einer tiefen infiltrierenden Endometriose kann in Einzelfällen eine Magnetresonanztomografie (MRT) beitragen.

9. Fruchtwasseruntersuchung
Der Arzt ist verpflichtet, die schwangere Frau über die Gefahren einer genetischen Schädigung des Kindes aufzuklären.
Eine „spätgebärende“ Frau ab dem 35. Lebensjahr muss stets auf die Möglichkeit einer Fruchtwasseruntersuchung aufmerksam gemacht werden, um eine eventuelle Behinderung des Kindes zu erkennen und sich gegebenenfalls für eine Abtreibung zu entscheiden.

10. Gebärmutterentfernung
Typische Komplikationen und damit Risiken der Hysterektomie sind Wundheilungsstörungen, Verwachsungen, Verletzung von Darm, Harnleiter oder der Harnblase sowie (Nach-)Blutungen.
Eine durch Myome vergrößerte Gebärmutter wird als Uterus myomatosus bezeichnet.
Myome der Gebärmutter sind gutartige Tumore, die an sich keinerlei Therapie benötigen.
Nur ausnahmsweise ist eine Hysterektomie zulässig.

11. Gebärmutterhalskrebs:
Das Zervixkarzinom oder Kollumkarzinom ist ein bösartiger Tumor des Gebärmutterhalses.
Die häufigste Ursache für ein Zervixkarzinom ist eine Infektion mit bestimmten Typen des humanen Papillomvirus (HPV).
Bei nachgewiesenem Karzinom sind zur Stadienbestimmung eine Röntgenuntersuchung der Lunge, eine Sonografie durch die Scheide, eine Sonografie beider Nieren und der Leber, eine Zystoskopie und Rektoskopie zum Ausschluss oder Nachweis eines Tumoreinbruchs in Harnblase oder Enddarm notwendig.

12. Gestose
Die „Schwangerschaftsvergiftung“ ist keine Vergiftung, sondern ein Oberbegriff für schwangerschaftsbedingte Krankheiten, deren Ursachen mit Bluthochdruck in Verbindung stehen.
Häufig synonym gebraucht mit Präeklampsie bzw. Eklampsie oder HELLP-Syndrom.
Die verzögerte Behandlung obiger Krankheiten und vor allem die unterlassene Befunderhebung sind in der Regel ein grober Behandlungsfehler.
Den Betroffenen Frauen und den Kindern, die oft mit einem erheblichen Geburtsschaden auf die Welt kommen, stehen enorme Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld zu.

13. Eklampsie
schwerste Ausprägung einer Gestose.
Sie bezeichnet einen Krampfanfall oder eine tiefe Bewusstlosigkeit (Koma) während der Schwangerschaft oder während der Geburt, vorwiegend bei Erstgebärenden mit Präeklampsie (Bluthochdruck, vermehrte Eiweißausscheidung im Urin und evtl. Ödeme).

14. Kaiserschnitt
Die verspätete Einleitung einer Sectio ist als grober Behandlungsfehler zu werten, wenn aus objektiver Sicht nicht mehr nachvollziehbar ist, weshalb trotz einer (durch CTG) festgestellten Sauerstoffminderversorgung und eines eingetretenen Geburtsstillstandes eine Schnittentbindung nicht vorgenommen wurde.
Ein verzögerter Kaiserschnitt (sectio caesarea) bei einem geburtshilflichen Notfall, wie z.B. eine verzögerte Geburt bei einem auffälligen CTG ist immer ein grober Behandlungsfehler.

15. Makrosomie
Unverhältnismäßige Größe von Körperteilen oder Organen. Es gibt verschiedene Varianten bzw. Erscheinungsformen von Makrosomie.
Häufig verursacht durch mütterliche Diabetes mellitus oder einen Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) ist die fetale Makrosomie, also ein zu großes Kind im Mutterleib.
Heutzutage raten die Ärzte bei makrosomen Feten von einer vaginalen Geburt ab, da während der Geburt die Belastungen für Mutter und Kind zu groß sind.

16. Nabelschnurkomplikationen
Das sind während der Schwangerschaft oder unter der Geburt auftretende Lagenanomalien der Nabelschnur, die die Blutversorgung des Fetus einschränken bzw. gefährden.
Nabelschnurkomplikationen stellen eine potenzielle Gefährdung des Kindes durch drohende fetale Hypoxie dar. Sie stellen eine Indikation zur gynäkologisch-intensivmedizinischen Betreuung der Schwangeren, mit Bereitschaft zur intrauterinen fetalen Reanimation im Bedarfsfall dar.

17. Ovarialkarzinom
Der Eierstockkrebs ist nach der Endometriose und dem Zervixkarzinom das dritthäufigste Genitalmalignom der Frau und hat eine schlechtere Prognose als jene.
Wichtig und wegweisend ist beim Ovarialkarzinom der transvaginale Ultraschall.

18. Plazentaablösung
Bei der vorzeitige Plazentalösung hat sich der Mutterkuchen vor der Geburt des Kindes von der Uterushaftfläche gelöst. Eine mütterliche Perfusion des Mutterkuchens ist nicht mehr gewährleistet.
Bei lebendem Kind ist ein sofortiger Kaiserschnitt angezeigt.
Sonst liegt ein grober Behandlungsfehler vor.

19. Saugglocke
Eine Vakuumextraktion (umgangssprachlich Saugglockenentbindung) wird bei vaginal operativer Entbindung in der Geburtshilfe eingesetzt.
Grund für eine Vakuumextraktion ist z.B. die kindliche Hypoxie.
Schwere Komplikationen sind Schädelfrakturen und intrakranielle Blutungen.

20. Totgeburt
Sie kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, darunter Fehlbildungen, Chromosomenbesonderheiten, schwerwiegende fetale Erkrankungen, Sauerstoffmangelversorgung durch eine unzureichende Funktion des Mutterkuchens oder dessen vorzeitige Ablösung sowie durch Nabelschnurkomplikationen, wie Nabelschnurknoten, Nabelschnurvorfall und straffe Nabelschnurumschlingung.
Zu weiteren möglichen Ursachen für einen Kindstod im Mutterleib gehören Infektionen wie Listeriose, Toxoplasmose und Zytomegalie, Erkrankungen wie Eklampsie, HELLP-Syndrom und Diabetes mellitus, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Fehlbildungen der Gebärmutter, seltene Komplikationen wie der Gebärmutterriss und die Fruchtwasserembolie.
Wird der intrauterine Fruchttod verspätet diagnostiziert kann es zu einer verstärkten Blutungsneigung mit daraus resultierender lebensbedrohlicher Verbrauchskoagulopathie führen.

Achtung: Wir raten unseren Mandanten von langwierigen Schadenersatzprozessen in fast allen Totgeburtsfällen dringend ab; zu mächtig ist die Trauer, und zu mager das Ergebnis. Vor 15 Jahren hatten wir zuletzt einen solchen Fall vor Gericht. Die damals erstrittene minimale Schadenersatzsumme brachte unsere Mandanten erst recht in eine Depression, weil der „Gegenwert“ des toten Kindes so gering war.

Hals, Nase, Ohr (HNO)

1. Abstehende Ohren
Der Korrektureingriff zählt zu den 15 häufigsten Schönheits-OPs. Es besteht die Gefahr, dass sich die OP-Wunde infiziert und nicht richtig heilt. Bei Kindern bilden sich außerdem manchmal überschießende Narben.

2. Intubation
Bei dieser Standardmethode (Goldstandard) der Atemwegssicherung wird eine Hohlsonde wird in eine natürliche Körperhöhle eingeführt.
Eine gefährliche Komplikation ist die Fehlintubation des Ösophagus (Speiseröhre), die, wird sie nicht rechtzeitig entdeckt, tödlich endet: Statt der Lunge wird der Magen beatmet, der Patient erstickt.
Eine gefürchtete Komplikation ist auch die sogenannte Aspiration. Bei Patienten mit normalen Atemwegen und erhöhtem Aspirationsrisiko wird eine sogenannte RSI (Rapid Sequence Induction) durchgeführt.
Als weitere Gefahr besteht die Verletzung der Stimmbänder.

3. Stimmbandschädigung
Die Rekurrensparese ist der medizinische Begriff für eine Schädigung des Rekurrensnervs Nervus laryngeus recurrens, der die Bewegungsanweisungen für die inneren Kehlkopfmuskeln vom Gehirn zum Kehlkopf leitet – und somit für die Stimmgebung und Atmung wichtig ist.
Oft wird eine Rekurrensparese durch einen Behandlungsfehler verursacht: direkte Verletzungen des Halses oder Druck auf Nervenstränge entstehen oft durch einen Beatmungsschlauch.

4. Mandeloperation
Die vollständige chirurgische Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) ist einer der am häufigsten durchgeführten Operation im HNO-Bereich.
Die häufigste Komplikation nach einer Tonsillektomie ist die Nachblutung. Bei stärkeren Blutungen muss eine operative Blutstillung vorgenommen werden.
Deshalb müssen Patienten etwa eine Woche stationär bleiben.

Hand

1.Handgelenkfraktur
Häufigster Knochenbruch, i.d.R. in Form der distalen Radiusfraktur.
Unverschobene Knochenbrüche werden beim Erwachsenen einfach eingegipst. Durch den Gipsverband wird der Knochen ruhig gestellt und kann ausheilen. Die Gipsruhigstellung dient auch der Verminderung des Schmerzes.
Verschobene Brüche müssen eingerichtet werden. Durch Zug und Druck in örtlicher Betäubung oder Narkose wird der ursprüngliche anatomische Zustand wieder hergestellt. Der Fachbegriff hierfür lautet Reposition.
Eine folgenschwere Komplikation stellt die so genannte Reflexdystrophie (Morbus Sudeck) dar.

Hüfte

1.Koxarthrose
Unter Koxarthrose versteht man eine Abnutzung des Knorpels im Hüftgelenk und damit eine degenerative Veränderung des Knorpelgewebes. Auf Dauer werden Knorpel und andere Gelenkanteile (Knochen, Gelenkschleimhaut, Gelenkkapsel) geschädigt.
Zunächst müssen nichtoperative Behandlungen erfolgen. Erst bei fortgeschrittener Hüftgelenksarthrose mit starken Beschwerden werden Anteile des Gelenks (Endoprothese) oder das ganze Gelenk (Totalendoprothese) ersetzt – wenn notwendig unter Korrektur einer Fehlstellung.

2. Künstliches Hüftgelenk
Bei künstlichen Hüftgelenken ist gelegentlich das falsche Gelenk eingesetzt worden, bisweilen stimmen Länge oder Umfang nicht, Fehler beim Zementieren oder zu tiefes Bohren in den Knochen sind die häufigsten Behandlungsfehler bei dieser häufigen Operation.
Vergleichen Sie dazu insbesondere Hüft-TEP.

3. Hüftprothese
Der sog. „Varicon Schaft“ wurde von der österreichischen Falcon Medical GmbH Anfang Februar 2005 vollständig zurückgerufen und kann seit dieser Zeit nicht mehr implantiert werden.
Hintergrund des Rückrufes war eine aufgetretene Problematik innerhalb der Konussteckverbindung des modularen Schaftimplantates. In Verbindung mit den langen Adaptern L und NL kam es in einigen Fällen zu einem Versagen des Implantates durch eine Spannungsrisskorrosion innerhalb der Steckverbindung.
Viele Patienten haben ihre Ansprüche noch nicht geltend gemacht!

4. Morbus Perthes
Die Ursachen dieser orthopädische Kinderkrankheit sind Durchblutungsstörungen (Ischämie) und Absterben (Nekrose) von Knochengewebe im Hüftkopf.
Häufiger Arztfehler: Übersehen von frühen Anzeichen (Lateralisation des Hüftkopfes, Beteiligung der Metaphyse, Verkalkungsherd lateral der Epiphyse, Horizontalstellung der Epiphyse, Laterale Aufhellung im Bereich der Epiphyse (Gage-Zeichen) und Höhenminderung der lateralen Anteile der Epiphyse) im Röntgen[glossary]bild.
Konservative Behandlung mit Schienen oft möglich. Auch eine korrekt ausgeführte OP hat gewichtige Langzeitfolgen.

Knie

1. Arthroskopie
Eine Arthroskopie ist oft nicht indiziert und verursacht bei Patienten ab 60 oft [glossary]Heilungsstörungen.
Hier hat der Arzt ein Problem, wenn die Arthroskopie nicht richtig indiziert war.
Häufig löst die Arthroskopie eine Arthrose in der Folge erst aus.

2. Gonarthrose
Beim vorzeitiger Verschleiß der knorpeligen Gelenkflächen des Kniegelenkes muss zunächst konservativ behandelt werden, z.B. mit Aufbau der Streckmuskulatur des Oberschenkels, Reizstrom, Entlastung in Form von Dämpfung (z. B. Pufferabsätze), Gewichtsreduktion und Gehhilfen wie Gehstock, Unterarmgehstütze, Rollator und Rollstuhl oder Akupunktur.
Wenn ein Kniegelenk zwar geschädigt, noch nicht aber restlos zerstört ist, muss jede OP gelenkerhaltend sein.
Gelenkersatz, etwa eine Knieprothese, ist die letzte Lösung.
Eine zu frühe oder zu umfangreiche Operation ist ein Behandlungsfehler und führt zur Haftung für Schadenersatz und Schmerzensgeld.

3. Innenbandruptur
Das Innenband des Kniegelenkes zählt zu den Seitenbändern und verläuft auf der Innenseite des Knies von oben nach unten.
Es dient, wie auch das Außenband, der Stabilisierung des Kniegelenkes. Reisst das Innenband infolge eines Unfalls (Traumas), kommt es neben Schmerzen auch zur Instabilität des Gelenkes.
Eine MRT– Untersuchung gibt Aufschluss über die Art und Schwere der Verletzung.
Hiernach richtet sich auch die Therapie: Wird lediglich konservativ mit Schiene behandelt oder ist bei Beteiligung des Knochens doch eine Operation nötig?

4. Kreuzbandplastik
Die Kreuzbänder stabilisieren das Kniegelenk bei Beugung und Beschleunigung in jede Richtung. Nach einer Kreuzbandruptur ist ein wichtiger Stabilisator im Kniegelenk verloren gegangen.
80 % aller Kreuzbandrupturen werden durch Kreuzbandplastik (Kreuzbandrekonstruktion) behandelt.
Es gibt auch Behandlungsalternativen:
Immer häufiger können aber nur teilweise gerissenee Kreuzbänder angenäht werden (Rekonstruktion). Kreuzbänder können nach knöchernem Ausriss aus der Verankerung in Oberschenkel oder Schienbein auch refixiert werden (Refixation).

5. Knie-TEP
Bei der „totalen Endoprothese“ wird das echte Gelenk entfernt; Gelenkkopf und -pfanne werden durch künstliche Materialien ersetzt.
In Deutschland wird die Knie-TEP nach der Hüft-TEP am häufigsten implantiert.
Jährlich werden ungefähr 150.000 Knie-TEP durchgeführt.
Zu den prothesenspezifischen Risiken gehören insbesondere die Prothesenlockerung, die in der Regel einen Austausch der gelockerten oder aller Prothesenteile erforderlich macht, sowie die Protheseninfektion durch Bakterien und durch Mykose.
Eine typische Frühkomplikation ist die tiefe Beinvenenthrombose, die Auslöser einer Lungenembolie sein kann.
Allgemeine operative Risiken sind ein oberflächlicher Wundinfekt, eine Wundheilungsstörung, eine Serombildung, ein persistierender Kniegelenkserguss sowie Verletzungen naheliegender Nerven.

6. Patella
Die Patellarsehnenruptur ist ein Riss der Sehne zwischen dem unteren Pol der Kniescheibe (Patella) und dem Schienbeinhöcker (Tuberositas tibiae).
Die Behandlung erfolgt in aller Regel operativ. Je nach Lokalisation der Ruptur wird eine Sehnennaht durchgeführt, die bei Knochennähe mit einem Nahtanker im Knochen fixiert wird. Zusätzlich zur direkten Naht der Sehnenstümpfe wird eine Drahtcerclage zwischen der Patella und dem Schienbeinhöcker angelegt.
Das ist sehr schadensträchtig.
Patellarluxation heißt die Kniegelenksverletzung, bei der die Kniescheibe (Patella) aus ihrer Führung springt (Luxation).
Meist bewegt sich die Kniescheibe spontan in ihre Ursprungsstellung zurück (Reposition).
Selten verbleibt sie in ihrer Verrenkungsstellung außen (lateral) am Kniegelenk.

7. Schlittenprothese
Dieser Gelenkersatz ist bei normalgewichtigen, über 60 jährigen Patienten mit stabilen Kreuz- und Kollateralbändern bei bestimmter Kniesymptomatik indiziert.
Bei Kreuzbandproblemen, erheblichem Übergewicht, Achsenfehlstellung von über 20°, Streckdefiziten von über 30°, ausgedehnten Knochendefekten, sehr starkem Knorpelverschleiß sowie ausgeprägter Gelenkinstabilität ist ihr Einsatz u.U. ein Behandlungsfehler.

8. Hinterhornriss / Meniskus
Der Korbhenkel im Knie reißt ab durch Meniskusriss in Kombination mit der Ruptur des vorderen Kreuzbandes. Das ergibt einen Hinterhornriss des Außenmeniskus bzw. (bei fehlendem vorderen Kreuzband) zu einer Läsion des Innenbandes und des Innenmeniskus.
Lehnt der Patient angeblich eine längere Rehabilitationszeit nach Meniskusnaht ab oder befinden sich bereits starke degenerative Veränderungen im Meniskus, wird oft eine Meniskusteilresektion durchgeführt.
Wird dabei zuviel entfernt, liegt ein Kunstfehler vor.

Kopf

1. Schlaganfall
Der Gehirnschlag („zerebraler Insult“ oder auch „Apoplex“ bezeichnet den
plötzlichen Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems.
Er führt zu Störungen der Blutversorgung des Gehirns. Schlaganfallpatienten, auch Verdachtsfälle, müssen unverzüglich ärztlich untersucht werden.
Die sogenannte „Time-to-needle“ (Zeitspanne, innerhalb derer eine etwaige Lysetherapie begonnen sein muss) liegt bei 4.5 Stunden nach dem Schlaganfall.
Sofortiger Notfalltransport mit Rettungswagen, eventuell mit Notarzt, am besten in stroke unit (spezialisierte Abteilungen für Schlaganfall-Behandlung) ist Pflicht.
Alles andere ist ein grober Behandlungsfehler.

2. Alkoholisierung
Patienten unter Alkoholeinfluss werden oft falsch behandelt, weil die Alkoholfolgen andere, bedrohliche Symptome überdecken.

3. Enzephalitis
Diese Entzündung des Gehirns ist meist infektiös bedingt. Sie wird hervorgerufen durch Viren oder – seltener – durch Bakterien.
Sie kann auch als Autoimmunerkrankung auftreten (Multiple Sklerose).
Sind auch die Hirnhäute mit betroffen, spricht man von einer Meningoenzephalitis. Bei Beteiligung des Rückenmarks spricht man von einer Enzephalomyelitis.
Eine leichte Gehirnentzündung im Rahmen einer Grippe wird häufig nicht einmal bemerkt.
Es kann für längere Zeit zu Lähmungen und Sprachstörungen kommen.
In schlimmen Fällen sind geistige Behinderung und autismus-ähnliche Verhaltensstörungen möglich.

4. Gehirntumor
Sehbeschwerden können einen Gehirntumor anzeigen. Eine sofortige Ultraschalluntersuchung des Gehirns ist notwendig, um einen evtl. Hirntumor auszuschließen.
Eine fehlerhaft durchgeführte Computertomografie kann dazu führen, dass der Tumor unzureichend behandelt wird.

5. TIA
Die „Transitorische ischämische Attacke“ ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Sie ruft neurologische Ausfallserscheinungen (Lähmungen, Sprach-, Sprech- und Sehstörungen) hervor, die sich innerhalb von 24 Stunden vollständig zurückbilden.
Bildet sich die Symptomatik nicht vollständig zurück, so handelt es sich definitionsgemäß um einen ischämischen Schlaganfall.
Im Akutstadium (solange die Symptome noch bestehen) kann zwischen einer TIA und einem Schlaganfall nicht unterschieden werden.
Die Akutbehandlung muss sich deshalb am Vorgehen beim Schlaganfall orientieren, insbesondere ist eine rasche Diagnose zwingend – und schwierig, weil die Symptome im Krankenhaus schon abgeklungen sind.
MRT mit Diffusionsgewichtung (50 % Sensitivität) stellt die beste Untersuchung dar.

Rücken

1. Bandscheibenoperation
60 % aller Bandscheibenoperationen sind unnötig; besser wäre in vielen Fällen konservative Behandlung.
Holen Sie immer eine Zweitmeinung ein!
Oft sind Schrauben falsch positioniert; der Wirbelkörperbogen bricht ab. Sofortige Korrekturen können einen Dauerschaden verhindern helfen.

2. Bandscheibenvorfall
Deutet das klinische Bild auf einen massiven, bei konservativem Vorgehen möglicherweise irreversiblen Schaden, ist die Operation eines Bandscheibenvorfalls dringend indiziert.
Unterbleibt die Aufklärung des Patienten, ist davon auszugehen, dass er sich operieren lassen hätte.
Werden Bandscheibenteile, die in den Spinalkanal eingedrungen sind, nicht entfernt, liegt darin ein grober Behandlungsfehler.
180.000 Euro Schmerzensgeld bei weitreichenden Lähmungserscheinungen der unteren Körperteile mit Sexualstörungen und depressiven Verstimmungen sind angemessen (OLG Koblenz, 29.10.2009).

3. Postnukleotomie-Syndrom
Das sogenannte Postnukleotomie-Syndrom bezeichnet Funktionseinschränkungen und Schmerzen, die durch einen chirurgischen Eingriff entstehen können.
In einigen Fällen kann es im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls dazu kommen, dass eine Operation notwendig ist, da andernfalls irreparable Nervenschädigungen drohen, die Lähmungen mit sich bringen würden.
Für die Entstehung des Postnukleotomie-Syndroms gibt es viele mögliche Ursachen, z.B. falsche Operations-Indikation, Operation in falscher Wirbelsäulenhöhe, ungenügende Bandscheibenentlastung, Entzündung nach der Operation.

4. Nervenquetschung
Das Cauda-Syndrom ist ein Notfall. Er tritt auf in Folge eines schweren Bandscheibenvorfalls, durch intraspinale Tumore, durch Veränderungen bei Spina bifida und nach Operationen.
Sofortiger neuro-chirurgischer Eingrif ist notwendig, um die Nerven möglichst schnell wieder zu dekomprieren.
Gelingt dies nicht innerhalb der ersten Stunden nach Auftreten der Beschwerden, ist mit einer dauerhaften Nervschädigung zu rechnen.
Erste Symptome eines Cauda-equina-Syndroms werden oft übersehen (Blasen-, Darmentleerungsstörungen sowie Gefühlsstörungen in den Beinen und im Genitalbereich).

5. Kyphoplastie
Die Kyphoplastie ist ein Behandlungsverfahren bei Wirbelbrüchen.
Gebrochene Wirbel sind häufig in sich zusammengestaucht.
Bei der Kyphoplastie richtet der Arzt den Wirbel wieder auf, indem er über eine Kanüle einen Ballon direkt ins Wirbelinnere einbringt und dann mit Zement befüllt.
Der Zement härtet aus und stabilisiert den Wirbel.
Da für die Kyphoplastie keine große Operation nötig ist, zählt sie zu den sog. minimal-invasiven Verfahren.

6. Spondylodese
Die operative Versteifung der Wirbelsäule kann teilweise oder komplett durchgeführt werden. Wirbel werden über Platten und Schrauben miteinander verbunden, um die Stabilität der Wirnbelsäule (etwa bei Berstungsbruch nach Sturz aus großer Höhe) zu erhalten und wichtige Strukturen zu schützen.
Sie ist nicht rückgängig zu machen und gilt als letzte Lösung.
Ausführliche Röntgenuntersuchungen – auch während der OP selbst – sowie MRT sind unabdingbar.
Unerfahrene Operateure könenn die Wirbelsäule bzw. Nervenbahnen des Rückenmarks verletzen; alle innen liegenden Organe können davon beeinträchtigt werden.
siehe auch Gelenkversteifung.

7. Spondylolisthesis
Durch diese Instabilität der Wirbelsäule (umgangssprachlich „Wirbelgleiten“) gleitet das obere Teilstück der Wirbelsäule über den darunter liegenden Wirbelkörpern nach vorn.
Nerven können dadurch im Spinalkanal eingeklemmt und gedehnt werden. Dies kann Nervenschäden verursachen und zum Funktionsausfall eines Nervs führen.
Lähmungen von Beinen, Blase und Mastdarm können die Folge sein. Gleichzeitig verschleißen Bandscheibe (Bandscheibenvorfall) sowie Wirbelgelenk (Spondylarthrose) im entsprechenden Segment übermäßig, was teils starke Schmerzen verursacht.
Zusätzliche Röntgenbilder (im Stehen, in Vorbeugung und in Rückneigung) sowie CT und MRT sind unverzichtbar.
Wegen der unklaren Studienlage sollte zunächst nicht operativ vorgegangen werden!!

8. Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)
Schmerzhafte, chronisch verlaufende entzündlich-rheumatische Erkrankung, die sich vor allem an der Wirbelsäule auswirkt.
Entzündungen der Wirbelgelenke, der Gelenke zwischen Wirbeln und Rippen sowie zwischen Kreuz- und Darmbein können (müssen aber nicht) zur Verknöcherung der Gelenkumgebung und zur knöchernen Überbrückung der Gelenke führen.
Die Folge kann eine teilweise, im Endstadium auch vollständige Versteifung sein, oft in mehr oder weniger nach vorn gebeugter Haltung (Kyphose), und außerdem eine Brustkorbstarre, die das Atemvolumen einschränkt.
Weitere Infos bei der DVMB.

Schulter

1. Schulterdystokie
Die Schulterdystokie ist ein unvorhersehbarer geburtshilflicher Notfall, der nach der Geburt des Kopfes die vollständige Entwicklung des Kindes erschwert. Sie erfordert sofortiges Handeln, da es fast zeitgleich zu einer kindlichen Hypoxie (Sauerstoffmangel) kommt.
Beim tiefen und hohen Schultergeradstand = (Das Kind bleibt hinter dem Schambein „hängen“) ist der hauptsächliche Arztfehler, Druck von vorn und von oben auszuüben, um die Geburt zu beschleunigen

2. Rotatorenmanschettenruptur
Die Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) ist eine Verletzung der Schulter. Der Riss betrifft eine oder mehrere Sehnen der vier Muskeln, die die sogenannte Rotatorenmanschette bilden.
Operative Wiederherstellungen degenerativ geschädigter Rotatorenmanschetten werden von einer erheblichen Anzahl an Komplikationen begleitet, wie z.B. Fortdauer von Schmerzen, Re-Rupturen kommen, Restdefekte oder heterotope Ossifikationen (Verknöcherung von Muskeln und Weichteilen).

3. Tossy III / Rockwood
Die Schultereckgelenksprengung (AKG-Sprengung) wurde früher nach Tossy in drei Schweregrade eingeteilt: Tossy I, II und III. Heute erfolgt die Einteilung nach Rockwood.
Bei der Schultereckgelenksprengung besteht z.B. ein grober Behandlungsfehler, wenn die Bohrung für die einzubringende Schraube zu nahe am Gelenk liegt und wenn der Operateur Röntgenaufnahmen zur Überprüfung der Bohrung während der OP unterlässt. (OLG Hamm, Urteil vom 18.02.2014, Az.: 26 U 152/13).

4. Schulterluxation
Unter einer Schulterluxation oder Schultergelenkluxation versteht man eine Ausrenkung (Luxation) des Schultergelenks.
Die Therapie erfolgt nach dem Ausschluss von Knochenbrüchen mittels Röntgenbildern durch eine Reposition. Eine operative Therapie kann bei Komplikationen und wiederholten Luxationen notwendig werden.

5. Schlüsselbeinbruch
Eine Operation ist normalerweise nicht indiziert. Eine konservative Behandlung durch Rucksackverband oder Schlinge reicht oft aus.
Eine Pseudoarthrose kann eine Folge lateraler Fraktur sein, die bei Schmerzen zu einer sekundären Operation führt. Bei deutlicher Knochen-Verschiebung und bei Trümmerbrüchen wird meistens operiert.
Verkürzung der Schlüsselbeinlänge sowie Kallusbildungen und Fehlstellungen können auf Behandlungsfehler hinweisen.
Schlechte Dokumentation, unzureichende Befunderhebung sowie Verzicht auf voroperative Röntgendiagnostik führen regelmäßig zu hohen Schadenersatzforderungen.

Zahn

1. Amalgam
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie am Milchgebiss sollte Amalgam wegen der Schwermetallbelastung nicht mehr angewendet werden.
Amalgame dürfen nicht verwendet werden für Wurzelfüllungen, unter Kronen oder Brücken, als Verschlussmaterial für Kronen oder bei eingeschränkter Nierenfunktion.

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